Land of the hard working people

Wir fahren in die Wüste. Überall nur Staub und Kies. Welche Farben bräuchte man, um diese Landschaft zu malen? Beige und grau.

Mein Blick fällt auf das Datenblatt auf meinen Schoß.

Der Ort: Iran.

Der Hintergrund: Rund 3 Millionen Afghanen leben hier als Migranten. Sie werden eher geduldet als gemocht. Für einen Hungerlohn dürfen die wenigen mit Arbeitserlaubnis in menschenunwürdigen Verhältnissen schuften.

Meine Aufgabe: Ausbildung für afghanische Flüchtlinge ermöglichen. Perspektiven schaffen.

„Die Gegend nennt man Land of the hard working people“, ruft mir Dilara, die iranische Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, zu. „Hier wird Baumaterial hergestellt“.

Abseits der Straße sind wie aus dem Nichts halbverfallene Gebäude aufgetaucht. Backsteine sind vor ihnen aufgereiht.

„Und was machen die Menschen hier?“, frage ich. „Hier gibt es ja fast nichts!“

„Hier gibt es rein gar nichts!“, korrigiert mich Dilara. „Die absolute Wüste!“

Ein ungemütliches Schweigen breitet sich aus.

Wenig später kommen wir bei unserem Ziel an. Dilaras Hilfsorganisation hat hier ein Trainingszentrum gebaut. Damit junge Frauen mal rauskommen aus ihren brütend heißen Baracken. Damit sie sich in den klimatisierten Räumen ein wenig erholen können. Damit sie mal Zeit haben, um sich auszutauschen und eigene Ideen zu entwickeln. Nach vielen Diskussionen haben streng gläubige Afghanen eingewilligt und ihre Töchter zu Handarbeitskursen zugelassen.

Im Versammlungsraum treffen wir die jungen Frauen. Ein paar tragen dunkle Burkas; tief abgeduckt wird dem ungläubigen Besucher kein Blick gegönnt. Andere haben selbst geschneiderte Blusen an. Sie tuscheln miteinander und werfen mir neugierige Blicke zu.

Eine, die sich als Nesrin vorstellt, ragt aus ihnen heraus. Ihr Schleier: Ein modisches Accessoire. Die Bluse: Orange, mit schwarzen Pailletten. Die Brille: Schlank und edel.

Frage ich nach hier hergestellten Kleidern, hat Nesrin gleich einen Katalog zur Hand. Selbstbewusst zeigt sie mir raffiniert geschnittene Kostüme.

Erkundige ich mich nach außergewöhnlichen Kreationen, präsentiert sie selbst gefertigte Gürtelschnallen.

Als ich nach den Zukunftsplänen frage, schweigt die schwarze Fraktion. Die Bunten meinen, dass sie mehr wollen. Mehr Kurse. Mehr Stoffe. Sie lachen, tauschen sich in Farsi aus und fassen Mut: Mehr und vor allem bessere Ausbilder! Kaum ist es gesagt, geht die kritische Bemerkung in Kichern und gesenkten Blicken wieder unter.

„Ich möchte Design studieren. In Teheran oder London“, meint Nesrin. Ihre Hand weist mit großer Geste in die Ferne. Sie bleibt noch lange in der Luft stehen, sinkt dann wie in Zeitlupe.

„Was können wir machen?“, frage ich Dilara, als wir wieder im Auto sitzen. Gemeinsam legen wir uns ins Zeug und sammeln Ideen für Weiterbildungen. Nach vielen Verhandlungen werden sie von den iranischen Behörden genehmigt.

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