Über den Autor

Paul Wolterstorff

In Mainz studierte ich von 1983 bis 1989 Ethnologie und Entwicklungssoziologie. Dann machte ich mich auf den Weg: Zunächst als Stipendiat und Praktikant. In Folge als Dozent und Entwicklungshelfer. Schließlich selbstständig als Projektleiter, Gutachter und Berater.

Mein Weg führte mich nach Ägypten und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Nach Äthiopien, Indien und den Iran. Nach Jamaika und Kirgistan sowie auf die Philippinen.

Gute drei Dekaden später sind es 33 Länder, in denen ich gearbeitet habe. Mal jahrelang, um vor Ort Handwerk und berufliche Bildung zu fördern. Dann nur ein paar Wochen, um ein neues Projekt zu konzipieren oder ein bereits laufendes zu evaluieren.

FAQ & Wissenswertes

Was ist Entwicklungshilfe?

In den 50er und 60er Jahren wurde Hilfe an „unterentwickelte“ Länder in der sogenannten „Dritten Welt“ so bezeichnet. Einsatzbereiche waren häufig Nahrungsmittelhilfe, Katastrophenhilfe und kurzfristige Spenden von Sachgütern und Geldern. Der überholte Begriff unterschied stark zwischen Gebern und Empfängern. Er wurde später als paternalistisch verurteilt. Die bis heute anzutreffende „Nehmerhaltung“ mancher Länder hat ihren Ursprung in der damals etablierten Rolle als passiver Empfänger.

Was ist Entwicklungszusammenarbeit?

Entwicklungszusammenarbeit ist der aktuelle partnerschaftliche Ansatz, bei dem Kooperation statt Hilfe angestrebt. Beide Seiten sollen Ressourcen und Wissen einbringen. Es werden nachhaltige strukturelle Veränderungen angestrebt. Hierfür werden lokale Institutionen gestützt; Bildung, Infrastruktur und Wirtschaft werden gefördert.  Klimaschutz- und Governance-Programm

Wie finde ich Arbeit in der Entwicklungszusammenarbeit?

Was ich empfehle: Für einen ASA-Einsatz bewerben. Ermöglicht einen Einstieg auf „Grassroot“-Level. Es gibt hier noch Gemeinschaftssinn und Engagement. Auch EPN und bengo sowie Forum für Ziviler Friedensdienst ist empfehlenswert.
Weniger geeignet für einen Einstieg halte ich Praktika oder Projektassistenzen bei GIZ, KfW, EU und UN, da es hier schnell sehr bürokratisch und Ablauforientiert werden kann („welcome to the machine“). Menschen mit Lust auf Engagement kann dies abschrecken.

Gibt es das Berufsbild „Entwicklungshelfer“?

Nein, Entwicklungshelfer ist eine Person die zeitlich befristet in einem Entwicklungsland arbeitet. Erlangte Fachkenntnisse im eigenen Ausbildungsberuf sollen dem Empfängerhelferland helfen, eigene Kompetenzen aufzubauen. Das Gehalt ist häufig „überschaubar“; eine Reihe von Zuschlägen können es attraktiver machen (begleitende Ehepartner, Kinder, Ortszuschläge…). Generell steht das Engagement „für eine gute Sache“ im Vordergrund.

Welche Berufe sind in der Entwicklungszusammenarbeit am meisten vertreten?

Der Bereich Energie nimmt seit Jahrzehnten die Spitzenposition in der EZ ein. Aus meiner Sicht ist dies vor allem für ländliche Gebiete sehr wichtig. Erneuerbare Energien und speziell Photovoltaik halte ich für sehr förderwürdig. Solarstrom eröffnet Perspektiven für marginalisierte und häufig arme Menschen.
Auch Wasser/Waste (Abfall) gehört zu den größten Themenfeldern. Keine leichte Aufgabe, da hier immer eng mit öffentlichen Einrichtungen zusammengearbeitet wird und man sich dem Tempo und bestimmten Besonderheiten (manchmal auch Korruption) stellen muss.
Weitere Schwerpunkte waren in den letzten 30 Jahren die Förderung der Agrarwirtschaft. Ökologische und nachhaltige Landwirtschaft sind bedeutender geworden. Der Klimawandel, Anti-Erosionsmaßnahmen und sich rapide verändernder Zugang zu Wasser sind brennende Aufgaben.
Good Governance/Statebuilding werden immer bedeutsamer. Es besteht die Gefahr, sich hier auf dem langen Weg durch die Institutionen zu verlieren z.B. (wichtige Player sind mal wieder auf einer Konferenz, bei Fachveranstaltungen zu zahlende Tagegelder werden Top Priority Themen, Partnerländer geben vor, sehr interessiert zu sein, machen aber zum Teil recht wenig für notwendige Reformen, alte Seilschaften wollen den Zugriff auf die von ihnen kontrollierten Ressourcen sichern, etc.).

Was sind klassische Herausforderungen im Arbeitsfeld Entwicklungszusammenarbeit?

Krisenanfälligkeit: Epidemien, Bürgerkriege und Putsche, Kriege und Naturkatastrophen haben einen enormen Einfluss; kontinuierliche und sichere Arbeit ist nur selten möglich.
Projektlogik: Viele Verträge sind nur kurzfristig (ein bis vier Jahre); Festanstellungen sind eher selten gegeben. Es braucht viel Flexibilität und Resilienz.
Seelische Belastung: Durch a.) „Heimweh“ und Entfremdung von einem anfangs als aufregend exotisch, dann aber häufig als fremd und teils unbegreiflich empfundenen Gastland. Familien und Beziehungen leiden häufig enorm. Bei langjähriger Auslandstätigkeit wird einem auch die Heimat immer fremder. Es kann zum Gefühl kommen, weder dort noch hier in Deutschland Zuhause zu sein.
Burn-out: Durch immer komplexere und realitätsfernere administrative Aufgaben. Die klassischen Projektleiter sind weit mehr am Schreibtisch, im Konferenzraum und am Computer, als im „Feld“ (im direkten Kontakt mit den Betroffenen).
Sparzwänge: Es wird generell immer mehr in immer kürzerer Zeit mit immer weniger Mitteln verlangt.
Umgangskultur bzw. internes Arbeitsklima: Hat sich in den letzten 30 Jahren rapide verschlechtert. Von dem Gefühl zu einer Art Familie zu gehören ist kaum noch etwas übriggeblieben. Starke Konkurrenz, Ellbogenmentalität, paranoides Abschotten vor potentiellen „Geschäftsfeinden“ und ein unterkühlter Umgang untereinander nehmen zu. Kirchliche und caritative Organisationen sowie Nichtregierungsorganisationen und Selbsthilfegruppen können hier erfreuliche Ausnahmen bilden.

Was ist ein Projekt?

Ein Projekt in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist eine zeitlich begrenzte, zielorientierte Intervention, die in einem Entwicklungs- oder Schwellenland durchgeführt wird, um bestimmte wirtschaftliche, soziale, ökologische oder institutionelle Verbesserungen zu erreichen. Beispiel: Innerhalb von 3 Jahren sollen Fachkräfte im Bereich von Solarenergie qualifiziert werden.

Was ist ein Programm?

Ein Programm in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist ein übergeordnetes, langfristiges Konzept, das mehrere Projekte, Maßnahmen und Partner bündelt, um ein umfassendes Entwicklungsziel in einem bestimmten Sektor oder Land zu erreichen. Beispiel: Die Elektrizitätsversorgung in einer Region soll innerhalb von 8 Jahren verbessert werden. Hierfür werden gemeinsam mit Partnerministerien (1) gesetzliche Grundlagen im Bereich der Erneuerbaren Energie geschaffen, (2) Kurse hierfür erstellt und durchgeführt. (3) Marktentwicklung betrieben, damit Produkte und Dienstleistungen erschwinglich und hochwertig sind und (4) Zertifizierungssysteme eingeführt, damit die Qualität der Leistungen gesichert ist.

Was macht den Reiz an der Arbeit in der EZ aus?

Die unmittelbare Erfahrung: Als Tourist ist man oft außen vor; erlebt ein Kulissentheater, das aus klimatisierten Reisebussen, Hotelressorts und ausgewählten Touristen-Hotspots besteht. In der EZ wirst du auch mal nach Hause eingeladen. Zum Teil arbeitest du direkte mit den Betroffenen. Du leidest und lebst mit – sofern du nicht zum typischen EZ-Bürokraten im klimatisierten Büro verkommen bist).
Sinn: Auch wenn nicht alles klappt: Man ist in einem Bereich tätig, in dem man Sinn machen kann.
Unmittelbare Wirkung: Als Projektleiter oder -leiterin oder auch als Fachkraft vor Ort kann man in wenigen Jahren sehen, was klappt und was nicht. Man kann gemeinsam mit Betroffenen Verbesserungen vornehmen und Wirkungen weiter ausbauen.
Bewusstseinserweiterung: Wir haben hier im Westen eine sehr eigene Art, die Dinge zu sehen. Jeder Einsatz in einer anderen Kultur relativiert diese „ethnozentrische“ Sichtweise ein Stück weiter. Der Blick weitet sich.
Menschlichkeit: Wird in anderen Kulturen manchmal größer geschrieben. Gastfreundschaft und viele Begegnungen mit spannenden, inspirierenden Menschen lassen eine innere Schatztruhe entstehen lassen. In diesem Blog versuche ich, diese Schätze zu teilen.

Was sind die deutschen Schwerpunkte in der EZ?

Die BMZ-Schwerpunkte (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) orientieren sich an der BMZ-Strategie „Gemeinsam für eine gerechte und nachhaltige Zukunft“ und sind eng an die Agenda 2030 / SDGs angelehnt. Förder- und Handlungsfelder (Stand 2025) sind 1. Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, Ausbildung und Beschäftigung, 2. Klima und Energie – „Grüne Transformation“, 3. Frieden, Sicherheit und Gleichberechtigung, 4. Gesundheit und soziale Sicherung und 5. Digitalisierung und Innovation.