„Hallo, ihr da unten. Wir meinen es gut. Wir sind gekommen, um euch zu entwickeln.“
Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand mit dieser Haltung zu mir käme? Wie würdest du das finden?
Einfach mal als Gedankenspiel:
Ein Rolls-Royce hält vor deinem Haus. Scheichs steigen aus. Um dir ihre teuren Gewänder leisten zu können, müsstest du ein Jahr arbeiten. Für ihre Diamantarmbanduhren ein Jahrzehnt.
Sie tun freundlich, aber es klingt künstlich.
Sie beteuern, dass sie deine Kultur und deine Werte anerkennen. Aber sie schlagen deine Einladung zu einem gemeinsamen Essen aus.
Sie reden von „Partizipation“. Aber sie haben die Operationspläne des geplanten Projekts schon vorbereitet.
Sie geben vor, Experten zu sein, und deine Situation genau zu kennen. Aber sie reden nur von dem, was bei dir fehlt und schlecht ist. Über alles Wertvolle und Schöne verlieren sie kein Wort.
Sie haben das Geld. Sie gehen in den Ministerien ein und aus. Sie kennen die, die dir das Leben schwermachen können.
Also sagst du ja. Also machst du mit. Und was sie aufbauen wollen, ist ja nicht schlecht, keine Frage. Auch wenn sie selbst … seltsam sind.
So weit das Gedankenspiel.
Klar, ich übertreibe. Viele Kolleginnen und Kollegen sind wirklich sehr engagiert. Viele achten die kulturellen Werte des Gastlandes. Es gibt Vorhaben, bei denen Partizipation großgeschrieben wird. Und manchmal entstehen lebenslange Freundschaften.
Aber auch nach 35 Jahren bleibt die Frage, wie es sich für Menschen mit zwei Euro Tageseinkommen anfühlt, wenn ich aus einem Geländewagen aussteige. Wenn ich meine Ledermappe mit dem Notizblock zücke und nach den Gesprächen frage, ob ich mit meinem Smartphone ein paar Aufnahmen machen kann.
Wie fühlt es sich an?
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