Düstere Wolken hängen über Accra. Ich trinke mein Star-Bier aus, werfe noch einen Blick auf das Spiel der Sharks gegen Kotoko und mache mich auf den Weg. Als ich die Cool Breeze Beach Houses erreiche, zucken Blitze über den Nachthimmel.
Ich klopfe an die Tür der Rezeption. Schlurfende Schritte erklingen; Addo zwängt seinen Kopf durch den Türspalt: Augen halb geöffnet, rote Äderchen in der Pupille. Kenne ich, ich war viele Jahre Nachtportier.
„Hi Addo!“
„Hi Paul!“
Kaum habe ich den Schlüssel in der Hand, renne ich los. Als ich meine Strandhütte aufsperre, klatschen die ersten Tropfen auf mein T-Shirt. „Perfektes Timing“, denke ich mir. Ein himmlischer Drummer zaubert Regenwirbel auf das Dach. Die gegen das Fenster peitschenden Böen klingen wie Tablas: „Da badeldad; pa dab; padeldab“. Wetterleuchten erhellt den Nachthimmel. Ich kuschle mich in mein Bett. Mit jeder Faser genieße ich das Naturschauspiel.
„Pitsch.“
Ein Tropfen hat seinen Weg durch das Strohdach gefunden. Was ja irgendwie okay ist.
„Pitsch! Pitsch! Pitsch!“
Die durch das Dach rinnenden Tropfen landen auf dem Bettlaken und durchnässen die Matratze.
Ich greife nach dem Telefon und schildere Addo meine Lage.
„I’ll pick you up and give you another room!” – Ich hol dich ab und geb‘ dir ein anderes Zimmer.“
Guter Plan! Mit allerlei Verrenkungen gelingt es mir, meine Kleidung halbwegs trocken im Koffer zu verstauen. Ich ziehe eine Decke über meinen Kopf und warte.
Es prasselt und blitzt. Mit infernalischem Krachen zerbirst eine Palme.
Ich warte.
Haupt- und Nebenarme meines Hotelzimmer-Flusses mäandern. Der Hauptarm strebt dem Spalt unter der Eingangstür zu. Nebenarme strömen in Richtung WC und Kühlschrank.
Es ist Zeit, zu handeln! Ich schnappe meinen Koffer und stürze hinaus. Tropenregen prasselt auf mich herab. Ein gleißender Blitz lässt mich für einen Moment erblinden. So schnell ich kann, renne ich geduckt zur Rezeption. Völlig durchnässt erreiche ich mein Ziel. Wie ein Ertrinkender greife ich nach der Türklinke und drücke sie herab.
Sie ist verschlossen. Ich ruckele, drücke und presse. Wassermassen klatschen mir ins Gesicht. Aber die Tür bleibt verschlossen.
„Hello-oh“, rufe ich. „AAAADOOO!“, brülle ich. Aber mein Wüten wird vom prasselnden Regen verschluckt. Mein Toben geht in heulenden Windböen unter.
Irgendwann bin ich erschöpft und gebe auf. Ich setze mich auf die Treppenstufen und lasse mich vom Regen massieren. Schaue den Blitzen zu und wische mir ab und an das Wasser aus den Ohren. Eine halbe Ewigkeit später lässt der Regen nach. Das Meeresrauschen kehrt zurück. Seevögel trauen sich aus ihren Verstecken.
Ein Schlüssel dreht sich; die Rezeptionstür öffnet sich.
„Are you ready?“, bist du bereit?“, fragt Addo. Seine Augenlider sind Millimeter geöffnet; er riecht nach Bier. Kenne ich, ich weiß, wie gut ein Schlaftrunk tut.
„Yeah. Totally ready!“, erwidere ich und taumle Addo in Richtung eines hoffentlich trockenen Zimmers hinterher.
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