Nach der großen Hitze wird es schwül. So schwül, dass ich kaum noch atmen kann. So schwül, dass mein T-Shirt klatschnass auf der Haut spannt. So entsetzlich schwül, dass jede Bewegung zu einer Qual wird.
Und es wird dunkel. Dunkel und still. Eine unheimliche, feuchte Stille. Der Druck nimmt zu; das Dach scheint sich unter der Last zu biegen. Gleißende Lichter jagen über den Himmel. Jeder Wolkenblitz wird von Grummeln beantwortet. Dann wieder Stille.
Plopp!
Direkt vor mir prallt ein fetter Tropfen auf den ausgetrockneten Boden. Er zerplatzt in winzige Partikel, die noch in der Luft verdunsten.
Plopp!
Ein weiterer Tropfen schlägt auf, ein Stück weiter links, dort, wo die Wäscheleine aufgehängt ist.
Krawumm!“
Ein mörderisches Krachen lässt mich zusammenzucken. Blitz auf Blitz jagt über den Himmel. Die Mangobäume in meinem Garten gleisen im Blitzlichtgewitter.
Bak! Ba dak! Bakdadabak! Tabadakbakdaratdarat!
Die Tropen spielen nun Tabla, ein rasender Wirbel, den nichts aufhalten kann. Bis das Prasseln in ein einziges Dröhnen übergeht. Eine Wasserwand stürzt herab. Der trockene Boden kann nichts aufnehmen; mein Garten wird zu einem aufgepeitschten Wildwasser. Schon bald ist die Terrasse überspült. Vor meiner Haustür jagt ein reißender Fluss Richtung Innenstadt. Straßenstände werden weggerissen, Hütten treiben kreiselnd in dem Inferno. Blitze lassen sie kurz aufleuchten, dann sind sie wieder im Dunkel verschwunden.
Anmerkung des Autors
Der Text entstand, als ich 1991 meine Entwicklungshelferzeit in Niamey (Niger) antrat und von der der ersten Regenzeit überrascht wurde. Für mich war es ein unvergessliches Erlebnis. Händlern und Handwerkern am Straßenrand hingegen zerstörten die monsunartigen Regenfälle die Existenzgrundlage. Drei Menschen starben in den Fluten.
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