Lass sie es machen.

Da vorne auf der Bühne des Konferenzraums geht die Post ab! Was für eine Show! Es wird gebrüllt. Das Poltern von Stiefeln lässt alle Sitzreihen erzittern. Gellende Angstschreie hallen bis zu den obersten Rängen des riesigen Saals.

Mitte der 90er Jahre wurden Pilotprojekte in der Elfenbeinküste, Ghana, Sambia und Äthiopien durchgeführt. Hilfsorganisationen kooperierten mit Hunderten von Akteuren des sogenannten informellen Sektors. Außerhalb formeller Regulierung, Steuerung und Registrierung hatten sie sich am Rande der Legalität durchgeschlagen.

Animateure hatten in diesem Vorhaben sehr eng mit den Akteuren zusammengearbeitet. Lokale Consultants hatten dabei geholfen, den Zugang zu Kleinkrediten zu verbessern. Andere hatten Ausbildungszentren für die Durchführung von technischen Kursen gewonnen. Technische und kaufmännische Beratungen waren durchgeführt worden.

Nun ist der große Tag, an dem all die Ergebnisse Hunderten von Fachkräften aus afrikanischen Ländern vorgestellt werden. Einen Großteil des Events gestalten die Betroffenen selbst. Sie hängen Bilder auf, musizieren und tanzen. Und eben gerade läuft ihr Theaterstück über das Schicksal von Kleinstunternehmer*innen in Äthiopien.

Es zeigt, wie sie unter unmenschlichen Bedingungen hausen müssen. Wie sie immer wieder von der Polizei gejagt werden. Wie korrupte Behörden sich an ihnen bereichern. Wie Großhändler den Gewinn abschöpfen und ihnen gerade so viel lassen, dass sie arbeiten und produzieren können.

Das Stück ist so ergreifend, dass ein Minister seine Tränen nicht zurückhalten kann. Er handelt sofort. Per Dekret wird die Schaffung von Handwerks- und Produktionshütten verordnet. Es sind kleine blaue Hütten oder Stände, die bald überall errichtet werden.

Sie bieten Handwerker*innen und Kleinproduzent*innen einen sicheren, geschützten und hygienischen Raum für ihre Arbeit. Gleichzeitig können sie hier ihre Produkte verkaufen. Da sie unterstützt werden, sind sie auch bereit, sich zu registrieren. Damit haben sie Zugang zu den Angeboten von Berufsbildungseinrichtungen und sonstigen Fördereinrichtungen.

Noch heute sind die blauen Hütten auf den großen Märkten und in den Handwerkszonen Addis Abebas zu sehen. Für viele sind sie zu einem Symbol für einen gemeinschaftlichen Umgang mit benachteiligten Bevölkerungsgruppen geworden.

Kommentare

Eine Antwort zu „Lass sie es machen.“

  1. Yannick

    Wow das müssen bewegende Erinnerungen sein. So schön zu hören wie Kommunikation und Partizipation die Verhältnisse von allen verbessern kann!
    Wie läuft das denn wenn der informelle weg gegangen wird damit man nicht den Unmut der Regierung des Landes auf sich zieht?

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